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Die amerikanische Singer-Songwriterin Rykarda Parasol sieht ihre Lieder in erster Linie als Geschichten.
Foto: Privat.

Rykarda Parasol
"Ich kann der Musik einfach nicht widerstehen"

Rykarda Parasol ist Sängerin, Autorin und Künstlerin und kommt aus San Francisco in den USAVergangenen Herbst hat sie ihr viertes Album „The Color of Destruction“ herausgebracht.
Wir hatten die Chance mit Rykarda über ihre Musik und ihre künstlerische Arbeit zu sprechen.

Rykarda Parasol is a singer, author and visual artist from San Francisco, California. Her forth Album 'The Color of Destruction' came out last fall.
We had the chance to talk to Rycarda about her music and creative work in general.

Aline: Rycarda, als erstes mal: Wie geht es dir?
Rykarda: Mir geht es gut soweit. Um ehrlich zu sein, bin ich ein wenig aufgeregt. Wie geht es dir?
Mir geht es auch gut, danke dir. Du bist ursprünglich aus San Fransisco und schaffst es irgendwie gleichzeitig auch in Paris zu leben. Warst du denn schon mal in Deutschland?
Ja, ich war sogar schon mehrere Male dort. Tatsächlich war ich 2008 sogar auf Tour in Deutschland.
Dein neustes Album heißt „The colour of destruction“ und ist im letzten Herbst raus gekommen. Der Titel ist ja schon ziemlich interessant. Was verbirgt sich dahinter?
Ich habe das Gefühl, dass ich verstanden habe, dass im Leben, in der Liebe und der Musik die Dinge manchmal einfach nicht so funktionieren, wie man es sich vorstellt. Also hab ich zu mir selbst gesagt: „Wenn das der Fall ist, dann hab ich die Wahl zu verbrennen oder zu ertrinken.“
Meine Metapher ist, dass man beim Ertrinken ganz still davon geht. Wenn man das Schiff aber anzündet, kann man in Flammen aufgehen.
Ich wollte das Album zur größten Produktion machen, die es bis jetzt von mir gibt und mich ganz öffnen, ohne jede Angst davor, verletzt zu werden. Ich wurde in gewisser Weise furchtlos und das war in meinem Leben, der liebe und der Musik vorher nicht der Fall.
Das ist jetzt dein viertes Album. Wie würdest du deinen Musikstil im Allgemeinen beschreiben?
Es ist schwierig, das zu beschreiben, denn die Leute wollen immer wissen, wie sich die Dinge anhören, statt wissen zu wollen wie sie sich anfühlen. Für mich geht es da eher um den Inhalt. Aber wenn ich eine grobe Beschreibung abgeben soll, sage ich meistens es klingt wie Cat Power, gemischt mit The Velvet Underground und Einflüssen von Britpop und Motown. Wenn man ganz genau hinhört, findet man ab und zu sogar ein bisschen mittelalterliche Musik. Es hat auch viel Americana in sich.
Kannst du unseren deutschen Hören, von denen wahrscheinlich viele noch nicht vorn dir gehört haben, erzählen, wann du angefangen hast Musik zu machen und wie deine Karriere verlief?
Ich habe erst 2003 richtig damit angefangen. Ich war nie die geborene Musikerin, sondern Künstlerin und Autorin. Das hat sich irgendwie so entwickelt mir der Musik. Ich habe mir nie wirklich vorgestellt auf einer Bühne zu stehen oder Songs zu schreiben, sondern mich mit der Poesie rund um die Musik beschäftigt. Dann hatte ich plötzlich eine Band und ehrlich gesagt finde ich es komisch, dass ich überhaupt eine Art von Musikkarriere habe. Wie gesagt, bin ich keine geborene Musikerin, aber ich habe viele andere Talente. Vielleicht merkt man das, ich habe zum Beispiel das Cover für mein Album designt.
Ich glaube es war einfach meine Liebe zur Musik, die mich dort hingezogen hat. Ich wollte einfach singen und ein Teil der Musik sein. Ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben könnte.
Ich glaube, solange ich der Kunst in der Musik treu bleibe, dem Performen, dem Schreiben und Produzieren, bin ich ein glücklicherer Mensch. Dann stresse ich mich nicht so sehr, was aus meiner Arbeit wird. Am Ende des Tages bin es nämlich vielleicht nur ich, der davon etwas hat.
Du hast bereits erwähnt, dass du dein Cover selbst gestaltet hast. Schreibst du deine Songs auch selbst?
Ja, das mache ich selbst und da liegt auch mein Fokus. Ich sehe mich selbst in erster Linie als Autorin und das Singen und Performen kommt erst später. Für mich geht es um das Geschriebene. Wie ich die Texte später singe, hängt davon ab, was die Worte und ihr Wert von der Stimme verlangen.
Also sind deine Songs eher Geschichten, als Songs?
Ja, normalerweise schon. Ich glaube mit dem letzten Album ist das ein bisschen offener geworden, weil es wahrscheinlich am zugänglichsten ist. Davor waren es aber wirklich Geschichten aus meinem Leben und meinen Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen.
Dann kommt die Inspiration für deine Lieder und Geschichten also direkt aus deinem Leben?
Genau und manchmal fühlt es sich so an, als könnte ich dem gar nicht widerstehen. Ich meine, wenn du dich danach fühlst zu tanzen, dann tanzt du und wenn dir zum Heulen zumute ist, dann weinst du. Die Musik ist meine Art mit den Dingen umzugehen, meine Therapie oder mein Cocktail am Ende der Woche.
Wenn deine Lieder so direkt aus deinem leben erzählen, gibt es da eines, das dir besonders viel bedeutet, oder einen Favoriten?
Auf diesem Album gibt es das lied „Ready to Burn“ und das ist etwas, dass ich mir selbst immer und immer wieder sage. Vielleicht um mich selbst daran zu erinnern, dass ich es durch dieses Leben und all seine Schwierigkeiten schaffen kann. Der Text geht: „Now heart is save. That's the risk you take. Be courageous and crazed. You played it safe. I ain't afraid to lose” und genau das versuche ich – so mutig es geht durchs Leben zu gehen.
Denn es ist echt gruslig da draußen.
Wenn du nicht deine eigene Musik hörst, wessen Musik hörst du dann oder hast du irgendwelche Vorbilder?
Naja, die sind sehr weit gefächert. Ich habe Opernmusik studiert und im letzten Jahr meine Liebe dazu wieder entdeckt. Aber ich liebe Smokey Robinson, Diana Ross, Shirley Bassey, The Doors; es gibt so viele. Diese Liste würde noch ewig so weiter gehen.
Aber ich bewege mich hauptsächlich außerhalb von Rock- und Popmusik. Ich höhre eher japische Klassik oder etwas in der Art. Nur um sicher zu sein, dass meine Ohren offen für Neues bleiben und ich reise und erfahre viel durch Musik.
Vorhin hast du gesagt, dass du es seltsam findest, dass du überhaupt eine Musikkarriere hast. Aber was war das beste Erlebnis, dass du in deiner Arbeit hattest?
Ich durfte tatsächlich schon im Warschauer Opernhaus singen und das war eine tolle Erfahrung, so quasi wieder zu meinen Wurzeln zurück zu kommen. Ich stand auf einer Opernbühne und habe Opernmusik studiert, aber ich war nie wirklich gut. Da darf ich ruhig ehrlich sein.
Ich erinnere mich noch daran, dass ich Opernsängerin werden wollte, das war aber nur für meine eigene Weiterbildung. Es war wirklich ein toller Moment, auf dieser Bühne zu stehen.
Und dann gibt es natürlich noch ein paar Momente, die mir persönlich viel bedeuten. Nicht unbedingt besonders große Augenblicke, aber sehr besonders, wie zum Beispiel als mein Vater mich auf der Bühne gesehen hat.
Der Song, den wir gleich von dir hören werden heißt „The ruin and the change“, also „Der Untergang und die Veränderung“. Kannst du mir verraten, welche Geschichte dahinter steckt?
Ich hatte einen Freund, der leider an Krebs gestorben ist, also geht es in dem Lied um verstrichene Zeit und den Verfall eines Körpers, aber es ist ein süßes, verträumtes Lied und ich hatte einfach nicht die Worte, um meinen Freund vollständig ein Denkmal zu setzen. Ich habe den Untergang und die Veränderung in ihm gesehen und das ist eigentlich auch schon alles.

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