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Freies Radio StHörfunk e.V. • 97,5 FM in Schwäbisch Hall & 104,8 FM in Crailsheim
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Sendestart für Radio StHörfunk
Geschichte
Sendestart für Radio StHörfunk

Ohne den Club Alpha 60 e.V. gäbe es kein Freies Radio in Schwäbisch Hall. Die Jahreshauptversammlung 1992 beauftragte Rainer Grün einstimmig, die Gründung eines nichtkommerziellen Senders voranzubringen und eine Initiative zu gründen. Der Club stellte seine Bürostruktur sowie Räume für Treffen zur Verfügung und deckte die Aufwendungen für Material, Seminare und etwa die Fahrtkosten zu Landestreffen oder für Verhandlungen im Landtag. Tatkräftige Unterstützung leistete auch der DGB.
Rainer Grün
Mit Bescheid vom 29. März 1995 erhielt der Förderverein Freies Radio Schwäbisch Hall von der Landesanstalt für Kommunikation, auch für die Frequenzvergabe in Baden-Württemberg zuständig ist, die Lizenz für die Frequenz 97,5 MHz. Jetzt galt es, Räumlichkeiten zu finden und eine Ausstattung für Büro, Aufenthaltsraum und Sende- sowie Vorproduktionsstudios zu finanzieren. Denn der damalige Präsident der Landesanstalt für Kommunikation, Dr. Eugen Volz, hatte eine halbe Million Mark, die für die damaligen NKLs im Haushalt der Landesanstalt eingeplant war, mit einem Sperrvermerk versehen lassen. Später behauptete er, dass er keine gesetzliche Grundlage zur Förderung nichtkommerzieller Veranstalter gesehen hätte – die nötigen Förderrichtlinien hätten gefehlt. So zumindest vermittelt es ein von Radiomitgliedern verfasster Artikel im „AlphaPress“ vom Juni 1995.
Zeit genug, sich solche zu überlegen, hätte er gehabt, da die Frequenz bereits am 23. Oktober 1993 ausgeschrieben worden war. Schon am 19. August 1993 wurde der Förderverein ins Leben gerufen. Der erste geschäftsführende Vorstand bestand aus Rainer Grün, Michael Voigt und Günter Volz. Die Lizenz wurde Ende Juni 1994 beantragt.

Studio-Kunst

Die denkbar schlechte finanzielle Ausgangslage beim Sendestart machte erfinderisch. Es wurden Info- und Basarstände initiiert, um Geld zu sammeln und Mitglieder zu gewinnen. Zu Sendebeginn hatten sich um die hundert Mitglieder eingefunden. Die Stadt gewährte einen einmaligen Zuschuss und vermietete Räumlichkeiten über die städtische Wohnbaugesellschaft. Außerdem gelang es, Spender zu finden.

Mit Euphorie ans Limit
Am 22. Juni 1995 war das Studio in der Langen Straße 13 eingerichtet – mit einem selbstgebauten Mischpult vom ersten Techniker des StHörfunks, Sebastian „Sebo“ Dahmen. Der Techniker der Landesanstalt brauchte einige Zeit, um für eine ausreichende Sendequalität zu sorgen. Zwei Tage später war dann der offizielle Sendestart mit einem Straßenfest vor den Radioräumen.
Bei der Jahreshauptversammlung im Herbst herrschte Anfangseuphorie. Der Redaktionsraum vermochte die fast fünfzig anwesenden Mitglieder kaum zu fassen. Doch in den Berichten aus den Redaktionen war schon Ernüchterndes zu hören. So suchte die „Kunst und Kultur“-Redaktion mit drei Personen weitere MitarbeiterInnen. Und die sich mit Nachrichten beschäftigende „unzensiert“-Redaktion war mit ihrer täglichen Sendung an ihr Limit gestoßen.
Vom Gründungsvorstand blieb nur noch Günter Volz im erweiterten Vorstand. Neue geschäftsführende Vorstandsmitglieder wurden Silvia Wagner, Heiko Hanselmann und Jochen Dürr. Letzterer war bis 2003 im geschäftsführenden Vorstand. Dem erweiterten Vorstand gehörten neun Mitglieder an. Der Förderverein hatte 203 Mitglieder – eine Zahl, die fast zehn Jahre lang gehalten werden konnte. Mit zwei ABM-Stellen – Hartmut Joos und Birgit Ebert – wurden Verwaltung und Technik bestritten.
1996 kam das Aus für die Nachrichtensendung und damit für den Versuch, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Erfolgreicher war man damit, neue Mitglieder und Spender zu gewinnen.

Selbstverwaltet und vielfältig
Neu im geschäftsführenden Vorstand waren Frank Hansen und Robert Ljubic; Heiko Hanselmann schied aus. Bei der Landesanstalt für Kommunikation folgte auf den konservativ denkenden Dr. Eugen Volz mit Dr. Thomas Hirschle 1997 ein sehr liberaler Präsident. Endlich konnte die Landesanstalt dazu bewogen werden, neben Birgit Ebert (ihr sollten später Kirsten Hochstein und Holger Grassl folgen) und Sebastian Dahmen (Technik und EDV, die in der Folge von Firmen betreut wurde und wird) mit Wolf Sternberg eine weitere Person für die Bereiche Verwaltung, Jugendbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit einzustellen. Später folgten mit Ute Matthes und Felix Haaksman zwei weitere MitarbeiterInnen, die für medienpädagogische Betreuung sowie für Aus- und Fortbildung verantwortlich waren.

Unter den SendungsmacherInnen war die Selbstverwaltung das Thema, bei dem die Wogen hoch schlugen. Zu Beginn mussten sich die unterschiedlichen Zuständigkeiten zwischen Vereinsvorstand und Redaktionsplenum erst einspielen. Die Frage nach Rechten und Pflichten in einem selbstverwalteten Verein ergaben sich vor allem aus der Verwaltung der Räumlichkeiten. Putzpläne, die Rotationsverfahren bei den einzelnen Redaktionen beinhalteten, wurden häufig ignoriert. Der Archivdienst im CD- und Plattenarchiv funktionierte nicht so, wie er sollte. Diskussionen im Redaktionsplenum endeten oft mit dem Verweis auf Freiwilligkeit.

Senden Linksextremisten?
Doch das Spektrum an Sendungen zeigte sich ausgesprochen umfangreich. Von der Kinderredaktion bis zu den Senioren von den „Grauen Füchsen“ waren alle Altersklassen vertreten. Musikredaktionen gab es viele, Wortsendungen mit geringen Musikanteilen anfänglich auch noch: Umweltredaktion, Frauen- und Lesben-Redaktion, Antifa, VVN, die Gewerkschaftssendung „Arbeitswelt“ und Internationales. Im Verlauf der Jahre nahm dieser Bereich ab und verlagerte sich auf den „StHörfleck“ genannten offenen Sendeplatz.

1997 wurde Andrej Koslow neu in den geschäftsführenden Vorstand gewählt. Anlässlich der Diskussion um die Selbstverwaltung trat 1998 Frank Hansen zurück. Für ihn wurde Siegfried „Tschinx“ Eichele nachgewählt. Bei der Jahreshauptversammlung im Oktober folgte Christian Kümmerer Andrej Koslow nach. 1999 wurde Ralf Snurawa gewählt, im Jahr darauf Wolf Sternberg. Wegen der Sendung der VVN kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Landratsamt, genauer mit dem Sozialreferenten Claus Boldt. Dieser wollte den Förderverein des Radios nicht mehr als Träger freier Jugendhilfe anerkennen, weil mit der VVN eine angeblich linksextremistische Vereinigung senden dürfe. Vor Gericht wurde Radio StHörfunk in beiden Instanzen eindeutig Recht gegeben.

Das Radio zieht um
„Ein Radio zum Hin- und nicht zum Weghören“, titelte die Heilbronner Stimme im Jahr 2000 in einem Artikel. Die Gründe zum Hinhören nahmen in der Folgezeit leider ab: weniger Sendungen und qualitativ nicht immer so, wie man es sich gewünscht hätte. Anders als zu Beginn nahmen die ehrenamtlichen RedakteurInnen die von der Landesanstalt für Kommunikation geförderten Fortbildungsangebote immer weniger wahr. Das ist nach mehr als 15 Jahren weiterhin Thema bei Redaktionsplenumssitzungen. Zwischen 2000 und 2003 befand sich Radio StHörfunk in einer Krise: ein abnehmendes Interesse am Radiomachen ging Hand in Hand mit einer inhaltlich eher linken Fixierung. Die Aufforderung der städtischen Wohnbaugesellschaft, in neue Räume im als Kulturzentrum geplanten Alten Schlachthaus in der Haalstraße 9 zu ziehen, erschien einerseits als zusätzliche Belastung, andererseits aber als Chance.

Durch die Nähe zu anderen KulturmacherInnen und mit einer stärkeren Öffnung in die Gesellschaft hinein erhoffte sich der Förderverein nicht nur neue SendungsmacherInnen, sondern auch mehr Mitglieder für den Verein. So wollte man mehr Unabhängigkeit von den Fördergeldern erlangen. Zugleich waren die Räumlichkeiten in zweierlei Hinsicht ein Fortschritt: Es war möglich, in die Einrichtung die für ein Radio nötigen Besonderheiten einzuplanen, und alle Räume befanden sich auf einer Ebene von 153 Quadratmetern.

Crailsheim auf 104,8 MHz
Weiteren Auftrieb bekam der Förderverein mit der Neulizenzierung ab 2004. Radio Ton erhielt eine bessere Frequenz für die Region, sodass es Radio StHörfunk auf der Crailsheimer Frequenz 104,8 MHz ein 24-Stunden-Fenster zur Verfügung stellte. Der Förderverein sah dies als Chance, im Crailsheimer Raum mehr Mitglieder zu gewinnen und warb für sich schon 2003 auf dem Crailsheimer Volksfest. Mit der neuen Frequenz änderte der Verein seinen Namen in Förderverein Freies Radio StHörfunk. LfK-Präsident Thomas Hirschle war dem nichtkommerziellen Radio einen Schritt hinsichtlich der Verbesserung des Empfangs entgegengekommen. Die schwache Sendeleistung von 100 Watt wurde aber nicht besser. Denn die bayerische Landesmedienanstalt beklagte, dass Radio StHörfunk mit stärkerer Sendeleistung und besserem Antennenstandort einen Sender in Würzburg störe. Wie gern wären die StHörfunker ihrem Namen auch in technischer Hinsicht gerecht geworden! 2003 schied Jochen Dürr aus dem geschäftsführenden Vorstand aus.

Ralf Snurawa und Wolf Sternberg als verbliebene Vorstandsmitglieder brachten daraufhin eine Satzungsänderung ein. Jetzt musste der geschäftsführende Vorstand mindestens fünf Personen umfassen. Ulrike Marski, Matthew Owen und Enrico Witteck kamen dazu. Später folgten in chronologischer Reihenfolge neben den bis heute im Vorstand vertretenen Wolf Sternberg, Paulo Rodriguez, Tobias Schweinzer, Oliver Graf, Cathrin Berger, Alexander Knack, Michael Schäl, Carmen Pankau, Anamul Mohamed, Christiane Kugelmann, Wolfgang Teufel, Jan Wiechert, Hans A. Graef, Franz-Albert Langenekert, Nik Schyra und Mateo Leon Flores.

Die zusätzliche Frequenz brachte leider nur wenige Neumitglieder aus dem Crailsheimer Raum. Deshalb beschloss der Verein, dort mit Büro und Studio präsent zu sein. Nach langer und zeitaufwändiger Suche konnten zwei Räume am Pamiers-Ring 15 gefunden werden. Sie stehen seitdem donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr als Anlaufstelle zur Verfügung.
Immer wieder hatte es Probleme mit Angestellten gegeben, die die Entscheidungen des Vorstands unterliefen. Deshalb werden seit 2004 Arbeiten nur noch auf Honorarbasis vergeben. Drei Jahre lang versuchte Nicol Zippel, das Radio durch Konzerte bekannt zu machen und die Zahl der Vereinsmitglieder aufzustocken. Das erwies sich jedoch finanziell als zu heikel und war letztlich leider wirkungslos. Konzerte werden nun keine mehr veranstaltet, aber immer noch DJ-Auftritte im „Löwenkeller“ des Club Alpha 60 oder im damaligen „Schwerpunkt Glück“.

Praktikanten und Radiokoordinator
Ab 2012 wurden bezahlte langfristige Praktikantenstellen geschaffen, die den Verein in verschiedenen Bereichen unterstützen. Kim Thuy Vy Vo und Miro Ruff kümmerten sich als erste Praktikanten um Öffentlichkeitsarbeit, Sendungsaustausch mit anderen freien Radios und arbeiteten redaktionell für das neu entstandene lokale Infomagazin „Fokus Südwest“.
Im März 2013 erhielt Miro Ruff als Radiokoordinator, der auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, eine Festanstellung in Teilzeit.

Jubel bei den „Jubeltagen 18“
StHörfunk wird erwachsen! In einem Jubiläums-StHörfleck wurden die ersten Signale vor 18 Jahren nochmal über den Äther gesendet. Vom 27. bis 29. Juni 2013 feierte StHörfunk seinen 18. Geburtstag mit buntem Programm. An den „Jubeltagen 18“ gab es für die zahlreichen Besucher Kino, Poetry Slam und ein Abschlusskonzert mit dem Libelle-Kollektiv. Einen Audiomitschnitt des Slams, der Live im Radio gesendet wurde, gibt es hier.
Im Jubiläumsjahr nahm der bunte StHörfunk-Stadtbus seine Fahrt im Haller Landkreis auf.

Mit Schwung ins Jahr 2014!
Neue Sendungen, die das Programm noch bunter machten, kamen in diesem Jahr dazu: Neben einem lokalen Sportmagazin „Fokus Sport“ (So. 16.30 Uhr) gingen nun auch die Haller Freilichtspiele und der Hohenloher Kultursommer auf Sendung. Sie machten den Sommer über mittwochs von 16 bis 18 Uhr Festivalradio. Ebenso neu ist die Sendung „Glauben und Zweifeln“. Sonntags um 17 Uhr sitzen Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen und nach Sendungsthema eingeladene Gäste am runden Tisch und diskutieren Themen von Atheismus bis soziale Einrichtungen.
Der offene Sendeplatz „StHörfleck“ wird indes immer beliebter. Der für Gruppen, Vereine und Schulklassen gedachte Sendeplatz wird wöchentlich mit verschiedenen Themen bestückt und täglich wiederholt.

2015: StHörfunk wird FSJ-Kultur Einsatzstelle
Im März begleitete StHörfunk mit einem aufwändigen Festivalprogramm das 9. Internationale JazzArt-Festival in Schwäbisch Hall. Interviews der Künstler gibt es hier zum Nachhören.
Am 25. Juni wurde mit RedakteurInnen und Gästen „20 Jahre StHörfunk on Air“ gefeiert. Zusammen gestalteten wir eine große Jubiläumssendung, die von 12 Uhr bis 00 Uhr durchgehend Live aus unserem Radiostudio gesendet wurde.
2015 wurde StHörfunk offizielle Einsatzstelle des Freiwilligen Sozialen Jahres im Bereich Kultur (FSJ-Kultur). Am 1. September nahmen die ersten beiden Freiwilligen Aline Kinzie und Merle Flachsbarth für ein Jahr die Arbeit im Radio auf.
Die beiden gingen wochentags täglich um 12 Uhr mit dem neu etablierten Mittagsmagazin „StHörmelder“ auf Sendung. Außerdem sind die Freiwilligen des FSJ-Kultur Teil der Redaktion des Nachrichtenmagazins „Fokus Südwest“, machen Aufnahmen für „StHörfunk Live“ und archivieren die alten Radio-Kassetten. Zusätzlich unterstützen sie StHörfunk in den Bereichen Bemusterung, Radioorganisation und Öffentlichkeitsarbeit.

2016: Mehr Präsenz vor Ort
StHörfunk begleitete im Februar die Landtagswahl. Volker Stücklen fühlte im Mittagsmagazin sechs Kandidaten eine Stunde lang live auf den Zahn.
Im März hatte unser neu angeschafftes mobiles Sendestudio Premiere. Aus dem Anlagencáfe in Schwäbisch Hall sendeten wir die von StHörfunk-Redakteurin Cathrin Weiß moderierte Lesung mit Nora Bossong in der Reihe „Literatur live“.
Im April ging das Flüchtlingsradio on Air. Tharmadevan Mathurangan sendet bis heute auf tamilisch über seine Heimat Sri Lanka. Samer Hassnou aus Syrien erzählte in seiner Sendung ein halbes Jahr lang über die arabische Welt.
Im September nahmen Femke Allmendinger und Lara Fehn die Arbeit als neue Freiwillige für das FSJ-Kultur im Sender auf. Im gleichen Monat machten wir auf dem Haller Grasmarkt mit dem mobilen Sendestudio Radio-Station.
Darüber hinaus präsentierte sich StHörfunk dreimal mit einem beschallten Hängewald bei dem Naturpark-Projekt „Gaildorf chillt“.
Die Präsenz vor Ort wurde daneben im Laufe des Jahres, durch Mitschnitte auf Veranstaltungen wie dem Haller JazzArtFestival und den Haller Vier-Jahreszeiten-Poetry-Slams, weiterhin ausgebaut.

Momentan werden bei StHörfunk 60 Sendungen von etwa 60 RedakteurInnen ausgestrahlt.Radio-Station auf dem Grasmarkt
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